Kolumne: Ist Windows 8 ein Erfolg oder ein Desaster?

Teil 1: Wie kam es zu Windows 8?

Revolution statt Evolution – diesen Leitspruch scheint sich Microsoft mit Windows 8 auf die Fahnen geschrieben zu haben. Seit Windows 95 bestand das mit jeder Version weiter verbesserte Grundkonzept immer aus Desktop, Startmenü und Fenstern. Und die Geschichte dieses Konzepts ist eine Erfolgsgeschichte. Millionen User weltweit sind mit Windows aufgewachsen, haben an und mit Windows gelernt und nutzen es heute als unverzichtbares Arbeitswerkzeug, ohne das unser tägliches Leben in keiner Weise denkbar wäre. Microsoft hatte also allen Grund, so lange daran zu feilen, bis mit Windows 7 ein Betriebssystem veröffentlicht werden konnte, das von vielen Usern zurecht als bestes Windows aller Zeiten gefeiert wurde.

Doch was sollte danach kommen? Jeder wusste, dass Microsoft nicht ewig an diesem – heute immerhin schon 18 Jahre alten – Konzept festhalten konnte. Nach dem Leistungsboom vergangener Jahre folgte nun die immer schneller voranschreitende Miniaturisierung, die zusammen mit der zunehmenden Vernetzung aller möglichen Bereiche, Smartphones und PCs immer weiter zusammenrücken ließ. Und während in Googles Laboren längst schon über den Smartphone-PC, der den Desktop-PC völlig überflüssig machen sollte, nachgedacht wurde, hatte Microsoft den mobilen Sektor verwahrlosen lassen und mit Windows Mobile 6 ein völlig antiquiertes System auf dem Markt, das ab 2008 drastisch an Marktanteilen verlor. Eine gefährliche Situation für Microsoft, die dann zwar nicht überstürzt, aber doch entschlossen und rigide angegangen wurde: Während Windows 7 noch auf das bewährte Desktop-Konzept setzte, hatte das bald darauf erscheinende Windows Phone 7 nichts mehr mit seinem Vorgänger (Windows Mobile 6.5.3) gemein. Im allerletzten Moment schien Windows in der mobilen Sparte den Anschluss an seine Konkurrenten gefunden zu haben, wenngleich auch der überragende Verkaufserfolg ausblieb.

Doch die radikale Änderung des mobilen Betriebssystems war nur die erste Phase. Microsoft wollte der technologische Vorreiter der neuen Ära werden und möglichst schnell Smartphones und PCs miteinander vereinen – selbst wenn die Hardware diesen Schritt noch nicht vollzogen hatte. Windows 8 sollte diese Vision Wirklichkeit werden lassen: Das neue Bedienkonzept, das mit Windows Phone 7 eingeführt wurde, hielt auch bei Windows Phone 8 Einzug, und nur wenige Monate später wurde ein Desktop-Betriebssystem vorgestellt, dessen Startbildschirm fast identisch mit dem von Windows Phone 8 war – Windows 8 war geboren. Und es sind nicht nur äußere Ähnlichkeiten, die Windows 8 und Windows Phone 8 verbinden: Beide Systeme haben denselben Kernel (NT 6.2) zur Grundlage, was deutlich macht, wie ernst es Microsoft mit der Verschmelzung von Mobile- und Desktopsparte ist.

Der Bruch von Windows 8 mit Windows 7 ist zu vergleichen mit dem Bruch von Windows Mobile 6.5 mit Windows Phone 7, mit dem Unterschied, dass letzterer dringend nötig war, ersterer dagegen ein erfolgreiches und ausgereiftes Konzept mit einem Schlag abgelöst hat. Nun stellt sich die Frage, ob es richtig oder falsch war, diesen Bruch zu begehen. In unzähligen Reviews, Kommentaren und Forenbeiträgen wurde diese Frage aus allen möglichen Blickwinkeln versucht zu beantworten, mit dem Ergebnis, dass sich die Autorenschaft in zwei Lager gespalten hat, die jeweils das Gegenteil vom anderen behaupten. Mittlerweile ist aber so viel Zeit vergangen, dass ein viel zuverlässiger Indikator, um ein Produkt zu bewerten, zur Verfügung steht,nämlich dessen Erfolg. Der wiederum ist auf folgende Weise abhängig vom Kunden: Je höher der potentielle Kunde den gebotenen Mehrwert eines Produkts gegenüber dem Kaufpreis einschätzt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er es erwirbt. Anhand der Verkaufszahlen lässt sich also einschätzen, wie gut ein Produkt beim Kunden ankommt– eine Binsenweisheit, mit deren Hilfe aber mehr über ein Produkt ausgesagt werden kann, als mithilfe ellenlanger Tests, die technische Feinheiten analysieren, die den durchschnittlichen Kunde nicht einmal am Rande interessieren. In den folgenden Teilen wird also den Verkaufszahlen der neuen Windows-Systeme nachgegangen.

Teil 2: Windows Phone

Im ersten Teil wurde kurz zusammengefasst, wie es – aus Sicht des Autors – zu Windows 8 kam. Nun folgen die harten Fakten. Zunächst sehen wir uns in diesem Teil die mobile Sparte an. Der Start von Windows Phone 7 brachte nicht den gewünschten Aufschwung: Noch im ersten Quartal 2011 wurden weltweit gerade einmal 1,6 Millionen Geräte verkauft, während das mittlerweile veraltete Windows Mobile 6.5 es zur gleichen Zeit immerhin noch zu einem Absatz von rund 2,1 Millionen Geräten brachte. Verglichen mit den Werten vom Q1/2010 blieb der Gesamtabsatz von mobilen Windowsgeräten gleich.

Wie sind diese Zahlen zu bewerten? Es sind hauptsächlich zwei Faktoren auszumachen, die den Erfolg von Windows Phone 7 so massiv hemmten. Erstens konnten alte Kunden nur schwer übernommen werden, da Windows Phone 7 eine andere Zielgruppe anspricht als das viel mehr auf Business ausgelegte Windows Mobile 6.5. Bestandskunden dürften sich also viel eher bei Konkurrenten wie RIM umgesehen zu haben, anstatt den Wechsel auf Windows Phone 7 zu wagen. Zweitens war 2011 der Smartphone-Markt von bereits etablierten Betriebssystemen (iOS, Android, Symbian, Blackberry) stark umkämpft, was einem Newcomer den Einstieg fast unmöglich machte. Tatsächlich sah es 2011 für Microsoft deutlich schlechter aus, als die obigen Zahlen vermuten ließen, denn der Gesamtabsatz aller Smartphones hatte sich seit dem Q1/2010 fast verdoppelt, ergo bedeutete der gleichbleibende Absatz von Windows-Smartphones einen relativen Absatzverlust von fast 50 % im globalen Vergleich: Während im Q1/2010 Microsoft noch 6,8 % der Verkäufe beherrschte, waren es im Q1/2011 nur noch 3,6 %.

Sehen wir uns nun den mobilen Markt ein Jahr später (Q1/2012) an. Man könnte meinen, Microsoft sei in eine Abwärtsspirale geraten, betrachtet man den weiterhin sinkenden Marktanteil der Windows Phones, der mittlerweile bei nur noch 1,9 % liegt. Microsoft hat allerdings einen Grund zur Hoffnung: Während zwar relativer Marktanteil wie auch absolute Verkäufe im Vergleich zum Q1/2011 gesunken sind, teilen sich die Verkäufe nicht mehr auf in Windows Phone 7 und Windows Mobile 6.5, also stiegen die Verkaufszahlen der Windows Phone 7 Geräte von 1,6 Millionen im Q1/2011 auf immerhin 2,7 Millionen Geräte im Q1/2012. Ein kleiner Trost. Hat Microsoft also die Rückkehr in den Smartphone-Markt vermasselt? Nicht unbedingt. Seit dem Release von Windows Phone 8 (06/2012) ist der Marktanteil von Windows Phone Verkäufen recht stark angestiegen. So erreichte Microsoft im Q4/2012 einen Anteil von 3 % bei rund 6,2 Millionen verkauften Geräten, wobei auch hier fairerweise im Auge behalten werden muss, dass diese Zahl Windows Phone 7 und 8 beinhaltet. Abschließend lässt sich für Microsofts Mobilsparte sagen, dass sie sich nach langem Kampf anscheinend auf niederem Niveau etablieren kann. Sicher ist nichts, da es bis vor einem halben Jahr noch so aussah, als würde Windows Phone sang- und klanglos untergehen. Insbesondere die Akzeptanz und damit der Erfolg von Windows 8 wird entscheidenden Einfluss auf die Zukunft von Windows Phone 8 haben, da beide Systeme schon eine Vorstufe zur Verschmelzung von Desktop und Smartphone darstellen. Die derzeitige Lage von Windows 8 und eine allgemeine Prognose wird das Thema im dritten und letzten Teil dieser Reihe sein.

Verkaufszahlen

Relativer Verkaufsanteil

Daten:www.gartner.com
Diagramme:Eigene Arbeit

Teil 3: Windows 8 und Ausblick

 

Nachdem im ersten Teil die Entstehungsgeschichte von Windows 8 kurz skizziert und im zweiten Teil der Verkaufserfolg von Windows Phone 8 analysiert wurde, kommen wir nun zum dritten und letzten Teil der Serie „Windows 8 – Erfolg oder Desaster?“. Hier wird der Markteinstieg von Windows 8 betrachtet, bewertet und darauf basierend eine Prognose der weiteren Entwicklung gegeben.

Zunächst zur Methodik: Der Ansatz im dritten Teil ist ein anderer als der vorherige. Während im zweiten Teil die Verkaufszahlen als Basisdaten genutzt wurden, sind es nun die ausschließlich relativen Nutzungsstatistiken im Internet, die Auskunft über die Verteilung der verschiedenen Betriebssysteme geben sollen, und zwar aus zweierlei Gründen. Erstens genügt für die ausreichend genaue Beantwortung unserer Frage die Gruppe der Internet-User, da es sich hierbei um einen großen und damit repräsentativen Teil aller Computer-User überhaupt handelt. Zweitens genügt eine Betrachtung der relativen Zahlen, weil der PC-Markt längst nicht so rasant wächst wie der Smartphonemarkt und somit die absoluten Zahlen für unsere Zwecke nicht weiter interessant sind. Außerdem ist es weitaus schwieriger, die absoluten Zahlen zu erfassen, da Desktop-Betriebssysteme eben nicht nur als Retail-Produkt gekauft werden, sondern in großer Zahl auch Fertigsystemen beiliegen oder über Entwickler- und Bildungsplattformen (etwa MSDNAA) verteilt werden. Im Grunde ist der reine Verkaufserfolg auch nur Nebensache, denn ob der Kunde tatsächlich mit dem erworbenen Produkt zufrieden ist, weiß er erst nach dem Kauf – und genau diese Zufriedenheit kann anhand der Nutzungsstatistik hervorragend ermittelt werden, da es bei einem PC (etwa im Gegensatz zu einem Smartphone) problemlos möglich ist, das neue Betriebssystem zu löschen und wieder das alte darauf zu installieren. Genutzt werden die jährlichen Statistiken von 2008 bis 2012, sowie die verfügbaren Zahlen von 2013. Die berücksichtigten Betriebssysteme sind Windows XP, Vista, 7 und 8, sowie zusammengefasst jeweils Apple- und Linux-Betriebssysteme. Andere Betriebssysteme fließen nicht mit ein.
Windows 8 wurde nur wenige Monate nach Windows Phone 8 veröffentlicht, nämlich Ende Oktober 2012. Der Markt, den Windows 8 betrat, war und ist jedoch grundlegend verschieden von dem seines mobilen Bruders. Während Windows Phone 8 im mobilen Sektor die Platzhirsche anderer Hersteller zur Konkurrenz hat, sind die größten Gefahren für Windows 8 Produkte aus denselben Entwicklungslaboren – Microsoft hat den Desktopmarkt seit Jahren fest im Griff, und nichts deutet darauf hin, dass sich diese Situation mittel- bis langfristig stark ändern wird. Einzig Apple konnte über die Jahre seit Beginn des Untersuchungszeitraums einen Zuwachs verzeichnen, der aber so minimal ist, dass er im Vergleich zu Microsofts Marktpräsenz überhaupt nicht auffällt.
Was ist aus diesen Zahlen nun ersichtlich? Selbstverständlich ist der Zeitraum seit der Einführung von Windows 8 viel zu klein, um bereits definitive Prognosen für die zukünftige Entwicklung des neuen Betriebssystems abgeben zu können. Die Zahlen für Windows 8 selbst besitzen noch keine große Aussagekraft, und auch aktuelle Verkaufsstatistiken, die von Microsoft gefeiert und von Online-Magazinen als Fälschungen bezeichnet werden, zeigen, wie unklar die Situation derzeit ist. Viel interessanter und wertvoller sind dagegen die Zahlen der Systeme, die schon längere Zeit auf dem Markt sind – konkret Windows XP, Windows Vista und Windows 7. Denn an diesen lässt sich die Einführung verschiedener Betriebssysteme zu verschiedenen Marktsituationen ablesen, was wiederum auf die aktuelle Marktsituation hinsichtlich Windows 8 übertragen werden kann.
Wir beginnen die Betrachtung mit einem Klassiker: Windows XP war wohl das erste Windows-Betriebssystem der Vernetzungsepoche und stellt trotz seines immensen Alters (Release Ende 2001) immer noch eine brauchbare Grundlage für weniger anspruchsvolle User dar, wenngleich selbstverständlich immer mehr neue Features vermisst werden und im April 2014 der Support seitens Microsoft endgültig eingestellt werden wird. Die Nutzungsstatistiken belegen dies eindrucksvoll: Noch 2011, 10 Jahre nach dem Release, als Windows Vista und 7 bereits veröffentlicht waren und Windows 8 in den Startlöchern stand, besaß Windows XP immer noch einen Nutzungsanteil von über 50 %. Diese extreme Langlebigkeit dürfte vor allem zwei hauptsächliche Ursachen haben: Erstens ist für viele User das Betriebssystem nichts weiter als eine Plattform, von der aus sie Programme, Spiele und Tools starten und nutzen. Wie diese Plattform aussieht und was sie selbst für Programme und Tools mitbringt, interessiert die User nicht weiter. Wichtig ist für diese Gruppe nur, dass die gewünschten Programme problemlos funktionieren – und dafür eignete sich Windows XP noch lange Zeit. Anders sieht es etwa in der mobilen Sparte aus, wo Programme und Funktionen fest mit dem Betriebssystem verknüpft sind, was zu einer viel geringeren Lebensspanne einzelner Versionen führt – ein Android 1 Phone wird man heute, selbst gebraucht, vergeblich suchen. Zweitens war Windows XP das PC-Sozialisierungsinstrument einer ganzen Generation. Wer mit dem Internet aufwuchs (die sogenannten „Digital Natives“), nutzte Windows XP als Portal zu dieser neuen Welt.
Microsoft war sich dem durchschlagenden Erfolg von Windows XP selbstverständlich bewusst, und so konzentrierten sich die Entwickler auf eine stetige Verbesserung, anstatt in kurzem Abstand das nächste System auf den Markt zu werfen. Erst rund fünf Jahre (Anfang 2007) später erschien mit Vista das neueste Windows, das dank des immer weiter wachsenden Internets schon lange vor dem Release zum Objekt vieler Diskussionen und Spekulationen wurde. EinBlick auf das Diagramm genügt, um feststellen zu können, dass Vista kein großer Erfolg beschieden war. Auch hier dürfte das Internet eine große Rolle gespielt haben: Schreckensmeldungen über ein instabiles, unfertiges Betriebssystem ergossen sich über Newsportale, Foren und Chaträume und gelangten gar auf herkömmliche Nachrichtenseiten. Allerdings können es nicht ausschließlich die Bugs und Fehler gewesen sein, die Vista so sehr in Verruf brachten – schließlich wurde aus Vista im Laufe der Zeit ein stabiles, zuverlässiges Betriebssystem. Es müssen wohl zwei weitere Faktoren gewesen sein, die eng miteinander zusammenhängen: Erstens sah ein Großteil der User keinen Grund, von XP Abstand zu nehmen, da Vista nichts Neues bot, das die User bei XP vermissten. Vista führte zwar eine Menge neuer Funktionen ein, aber offensichtlich waren die den Usern recht egal. Zweitens – und hier besteht ein feiner Unterschied zum ersten Punkt – wollten die meisten User XP nicht aufgeben, da sie dieses Betriebssystem in- und auswendig kannten, und es ist ein psychologischer Fakt, dass der Mensch im Zweifelsfall das Alte, Wohlbekannte gegenüber dem Neuen, Unbekannten wählt.
Dennoch ist deutlich zu sehen, dass ab 2010 Windows XP den unangefochtenen Platzhirsch-Status immer mehr verliert, bis es schließlich zwischen 2011 und 2012 unter die 50 %-Hürde fällt. Die Ursache für diese Entwicklung war ein neues Betriebssystem, das mehr oder weniger auf Vista aufbaute – Windows 7. Bereits im ersten Jahr nach dessen Release Ende 2009 stoppte es den zaghaften Etablierungsversuch von Windows Vista und drängte Vista wie auch XP zurück. Im Gegensatz zum Desaster von Windows Vista kann man hier ein Paradebeispiel für einen gelungenen Markteintritt eines Betriebssystems beobachten – doch was hat Microsoft dieses Mal anders gemacht? Zunächst einmal war den meisten Kunden wohl klar, dass sie XP nicht ewig werden nutzen können, denn nicht nur war 2009 der Mainstream-Support von XP eingestellt worden, sondern mittlerweile verlangten Kunden nach Features, die ihnen XP nicht oder nur unzureichend (etwa 64-Bit-Unterstützung) bieten konnte. Auch dürften viele User – nicht zuletzt wegen dessen extremen Negativschlagzeilen – Windows Vista übersprungen und auf Windows 7 gewartet haben. Überhaupt wurde Windows 7 bereits vor dessen Release als „das bessere Vista“ gefeiert und sorgte so für die Möglichkeit einer langsamen Umgewöhnung der User an das neue Design, mit dem sie auf verschiedensten News-Seiten und Foren konfrontiert wurden. Die allgemeine Abneigung gegen Vista – und das ist wieder ein psychologisches Moment – fand seinen Gegenpart zum einen in der nostalgischen Betrachtung von XP, aber zum anderen in der freudigen Erwartung von Windows 7; nach der Enttäuschung müsse einfach wieder ein gutes System kommen. Und diese Erwartung wurde aus Sicht der User zweifelsfrei erfüllt. Windows 7 ließ Microsoft nach langen Jahren wieder aus dem Schatten des eigenen Windows XP heraustreten. Die Verläufe der Marktanteile von Windows Vista und 7 zeigen zwei mustergültige Entwicklungen von einem Desaster und einem Erfolg auf ganzer Linie, während der Verlauf des Marktanteils von XP das Auslaufen eines äußerst erfolgreichen Betriebssystems exemplarisch skizziert.
Die Gründe für die Einführung von Windows 8 wurden in den letzten Teilen bereits besprochen. Zusammengefasst musste Microsoft schleunigst auf dem mobilen Markt Fuß fassen, da der PC-Markt längst an Gewicht verloren hatte und die Zukunft eindeutig im mobilen Sektor liegt; eventuell wird man sogar bald eine vollständige Verschmelzung der beiden Märkte erleben. Mit den eng verknüpften Betriebssystemen Windows Phone 8 und Windows 8 preschte Microsoft nach vorne und wollte eine Führungsrolle in der weiteren Entwicklung übernehmen. Nun befindet sich Microsoft in der schweren Situation, dass sowohl Windows 8 wie auch Windows Phone 8 von den Usern akzeptiert werden müssen, um die Idee der Verschmelzung von Mobile- und Desktop-Geräten auch in der Realität vorantreiben zu können. Betrachtet man die Diagramme, so ist eindeutig klar, dass auch Windows 8 keinen leichten Start haben kann: Windows 7 hat mittlerweile einen Marktanteil von fast 50 % erreicht und hat dabei große Mengen der Vista- und XP-User abgeschöpft, die für Windows 8 die wohl interessanteste Zielgruppe darstellen.
Nun stellt sich also endlich die Frage, wie es mit Windows 8 wohl weitergehen wird. Wird es ein Desaster wie Vista, oder wird es an die Erfolge von Windows XP und 7 anknüpfen? Eindeutig ist diese Frage natürlich nicht zubeantworten, aber es sind einige klare Tendenzen ersichtlich. Erstens betritt Windows 8 einen ähnlichen Markt, wie vor einiger Zeit Vista: Fast die Hälfte des Marktes besteht aus hochzufriedenen Windows 7 Usern, die – ähnlich wie damals die XP-User – keinen Grund sehen dürften, zu Windows 8 zu wechseln. Den anderen Großteil stellt die Gruppe der verbliebenen XP-User, die aber ebenfalls eine schwierige Zielgruppe für Windows 8 darstellen, da es sich hierbei wohl hauptsächlich um den harten, konservativen Kern handelt, der bislang nicht bereit war, XP aufzugeben. Und sollten sich diese XP-User doch zu einem Wechsel entscheiden, werden die meisten wohl auf das evolutionäre Windows 7 setzen, anstatt auf das revolutionäre Windows 8. Zweitens war Windows 8 aufgrund seiner extremen Neuerungen – ebenfalls analog zu Vista – schon lange vor dem Release mit Negativschlagzeilen im Internet präsent, was zu einer skeptischen Einstellung vieler User bereits im Vorfeld führte. Insbesondere ist hier die Nähe zu Windows Phone 8 zu nennen, die von vielen Skeptikern als Zeichen dafür gesehen wird, dass Windows 8 kein vollwertiges Desktop-Betriebssystem und eher an mobile Touch-Geräte angepasst sei. Inwieweit das nun faktisch falsch oder korrekt ist, hat relativ wenig Einfluss auf eine festgelegte Meinung. Drittens könnte es allerdings durch die parallele Vermarktung von Windows Phone 8 durchaus zu Synergie-Effekten kommen: Wer sich ein Smartphone mit Windows Phone 8 kauft, wird wohl auch zum Kauf von Windows 8 tendieren – et vice versa. Es ist aber wahrscheinlich, dass diese Synergie-Effekte erst mit den Nachfolgern von Windows 8 und Windows Phone 8 wirklich zum Tragen kommen, da derzeit die Marktpräsenz beider Systeme schlichtweg zu gering ist.Viertens ist Microsoft der absolute Herrscher über den Desktop-Markt und hat als solcher momentan die Macht, Neuerungen auch dann einzuführen, wenn der User sie anfangs überhaupt nicht haben möchte – siehe Windows Vista und später 7. Natürlich begeht Microsoft mit Windows 8 einen radikaleren Traditionsbruch als mit dem eher evolutionären Vista – an der Marktdominanz Microsofts ändert das aber nichts.
Zusammenfassend ist die wahrscheinlichste Prognose also, dass Windows 8 ähnlich scheitern wird wie Windows Vista. Der Nachfolger aber wird definitiv das Potential zu einem bahnbrechenden Erfolg haben, nicht zuletzt wegen den psychologischen Gründen, die auch schon die Entwicklung von Windows Vista und 7 beeinflussten. Auch Windows Phone 8 wird zunächst eher keine glorreiche Zukunft haben, aber wenn sich erst Microsofts neues Konzept mit dem Nachfolger von Windows 8 etabliert haben wird, muss der mobile Markt – aufgrund der immer stärkeren Verschmelzung – sich zwangsweise in seiner Entwicklung anpassen, was im besten Fall eine Explosion der Marktanteile des Nachfolgers von Windows Phone 8 bedeuten könnte. Kritisch könnte es für Microsoft werden, wenn Google zeitnah seine Bestrebungen intensiviert, Android für Desktopsysteme zu entwickeln und seinerseits die Vorreiterrolle in der Verschmelzung von mobilen und Desktopsystemen übernimmt. In diesem Fall käme es zu einem interessanten Patt mit Microsofts Desktop-Dominanz auf der einen und Androids Mobile-Dominanz auf der anderen Seite, während beide Unternehmen versuchen, die jeweils andere Sparte zu übernehmen.
Zu behaupten, Microsoft würde nicht aus seinen Fehlern lernen, ist also grundfalsch. Das Gegenteil ist der Fall: Windows 8 ist ein Meisterstück in langfristiger Planung und beweist, dass Microsoft seine absolute Dominanz im Desktop-Markt so einzusetzen weiß, dass andere, mehr umkämpfte Märkte sich zu seinen Gunsten verändern. Windows 8 und Windows Phone 8 sind präzise platzierte Bauernopfer, mit denen die Grundlage für eine neue, von Microsoft initiierte Ära der IT geschaffen wurde. Selbstverständlich kann Microsoft weder zaubern noch hellsehen, und auch wenn Windows 8 im Endeffekt ein großer Schritt in die richtige Richtung ist, so war es doch allerhöchste Zeit, das Versäumte nachzuholen. Hätte Microsoft schon früher so gut geplant, dann wäre Windows 8 vielleicht kein Opfer, sondern ein würdiger Nachfolger von Windows 7 geworden.

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